Der britische Hubschrauberhersteller Hill Helicopters hat einen wichtigen Meilenstein bei der Entwicklung seines neuen Triebwerks GT50 erreicht. Am 20. Juli 2026 absolvierte der komplett neu entwickelte Antrieb erfolgreich seinen ersten Testlauf und markiert damit einen bedeutenden Fortschritt im HX50-Hubschrauberprogramm.
Um 03:51 Uhr britischer Sommerzeit wurde der erste Prototyp des GT50 im Teststand gestartet. Nachdem der Anlasser den Motor zunächst auf 15 Prozent der Nenndrehzahl (N1) beschleunigt hatte, erfolgte die Zündung. Anschließend lief das Triebwerk selbstständig an, erreichte 55 Prozent N1 und arbeitete über einen Zeitraum von fünf Minuten stabil auf der vorgegebenen Drehzahl. Während des gesamten Testlaufs wurden nach Unternehmensangaben keine Auffälligkeiten festgestellt.
Mit diesem Erfolg schreibt Hill Helicopters nach eigenen Angaben ein Stück britische Luftfahrtgeschichte: Der GT50 ist das erste vollständig eigenständig entwickelte Hubschrauber Triebwerk eines britischen Herstellers, der seit dem Erstlauf des Rolls-Royce Gem im Jahr 1969 erfolgreich in Betrieb genommen wurde.
Vor der ersten Zündung hatten die Ingenieure sämtliche Nebenaggregate überprüft und sogenannte Cold-Crank-Tests durchgeführt, bei denen der Motor ohne Kraftstoff und Zündung allein durch den Anlasser betrieben wird. Der Prototyp war umfangreich mit Sensoren ausgestattet, die Temperaturen, Drücke, Drehzahlen, Kraftstoffdurchfluss und Vibrationen während des Testprogramms überwachen.
Der GT50 besteht aus insgesamt 438 hochpräzisen Bauteilen. Für die Fertigung waren laut Hill Helicopters mehr als 71.000 einzelne Bearbeitungs- und Produktionsschritte erforderlich.

Leistungsdaten des GT50
Das neue Triebwerk wurde speziell für den HX50 entwickelt und soll folgende Leistungswerte erreichen:
- 400 PS maximale Dauerleistung
- 440 PS Startleistung für bis zu fünf Minuten bei Flughöhen bis 10.000 Fuß und ISA +15 °C
- 500 PS Notleistung für 30 Sekunden
Als Zielgewicht nennt Hill Helicopters rund 100 Kilogramm. Der Kraftstoffverbrauch soll bei maximaler Dauerleistung etwa 35 US-Gallonen pro Stunde betragen. Zudem strebt das Unternehmen eine Überholungsfrist (TBO) von 5.000 Betriebsstunden beziehungsweise 20.000 Zyklen, abhängig vom Zustand des Motors an. Gesteuert werden soll der GT50 durch eine zweikanalige, volldigitale FADEC-Triebwerksregelung mit manueller Rückfallebene.
Unternehmensgründer und Chefingenieur Jason Hill zeigte sich nach dem erfolgreichen Erstlauf begeistert. Nach vier intensiven Monaten der Komponentenfertigung, Montage, Instrumentierung und des Aufbaus des Prüfstands habe der GT50 „seinen ersten Atemzug“ getan. Aus einer ambitionierten Idee sei nun ein funktionierender Motor geworden.
Auch Mitglieder des Entwicklungsteams beschrieben den Moment der ersten erfolgreichen Zündung als außergewöhnlich. Chef-Aerodynamiker Steve Hill sprach von einer Mischung aus Euphorie und Erleichterung, während Eric Welch, verantwortlich für Elektrik und Avionik, den vorsichtigen und schrittweisen Ablauf der ersten Inbetriebnahme hervorhob.



