Der US-Rüstungskonzern Anduril Industries hat mit Thunder ein autonomes Angriffsluftfahrzeug der Klasse Group 5 vorgestellt, das speziell für den Einsatz im bodennahen Gefechtsraum entwickelt wurde. Das unbemannte Kipprotor-Fluggerät soll künftig gemeinsam mit bemannten Kampf- und Transporthubschraubern operieren und deren Kampfkraft sowie Überlebensfähigkeit deutlich steigern.
Hintergrund der Entwicklung ist die zunehmende Bedrohung durch Drohnen, Kamikaze-Munition, kostengünstige Luftabwehrsysteme und dauerhaft verfügbare Aufklärungsplattformen. Diese Entwicklungen haben den bodennahen Luftraum zu einem der gefährlichsten Bereiche moderner Schlachtfelder gemacht. Nach Einschätzung von Anduril erfordert diese neue Realität den verstärkten Einsatz autonomer Systeme, die Geschwindigkeit, Reichweite und Feuerkraft miteinander verbinden.
Große Reichweite dank Kipprotor-Technologie
Thunder setzt auf ein Kipprotor-Design, das die Vorteile eines Hubschraubers mit denen eines Flugzeugs kombiniert. Das System kann senkrecht starten und landen (VTOL), anschließend jedoch im Flächenflug deutlich effizienter und schneller größere Entfernungen zurücklegen. Dadurch sind Einsätze ohne Start- oder Landebahn auch von provisorischen Standorten aus möglich.
Entwickelt wurde Thunder gemeinsam mit Archer Aviation auf Basis einer zivilen VTOL-Plattform. Ein serieller Hybridantrieb aus Verbrennungs- und Elektroantrieb soll hohe Reichweiten und lange Einsatzzeiten ermöglichen. Gleichzeitig passt das Rotorsystem seine Drehzahl automatisch an unterschiedliche Flugphasen an, wodurch Kraftstoffverbrauch und Geräuschentwicklung reduziert werden.
Für strategische Verlegungen kann das Fluggerät entweder selbstständig große Distanzen überwinden oder in einem Standard-Container per Schiff, Bahn, Lkw oder Flugzeug transportiert werden.
Flexible Bewaffnung und Zusammenarbeit mit Kampfhubschraubern
Thunder wurde als vielseitige Waffenplattform konzipiert. Je nach Einsatzprofil kann das Luftfahrzeug unter anderem als Raketenträger, Plattform für luftgestützte Drohnen, Aufklärer, Logistiksystem oder Träger elektronischer Kampfführung eingesetzt werden.
Die modulare Nutzlast erlaubt unterschiedliche Konfigurationen. So können beispielsweise bis zu zehn Luft-Boden-Lenkflugkörper, 16 aussetzbare Drohnen oder 76 ungelenkte 70-Millimeter-Raketen mitgeführt werden. Zusätzlich ist Platz für weitere Systeme zur Drohnenabwehr oder andere Missionsausrüstung vorhanden.
Ein wesentlicher Bestandteil des Konzepts ist die Zusammenarbeit mit bemannten Hubschraubern. Mehrere Thunder-Systeme sollen einen einzelnen Kampfhubschrauber begleiten und dessen verfügbare Feuerkraft erheblich erhöhen. Nach Angaben des Herstellers könnte bereits die Begleitung eines Apache-Hubschraubers durch drei Thunder-Drohnen die verfügbare Munitionsmenge einer Einheit verdreifachen, ohne zusätzliche Besatzungen dem Risiko eines Kampfeinsatzes auszusetzen.
Autonomie durch Künstliche Intelligenz
Das Herzstück von Thunder bildet die Softwareplattform Lattice, die sämtliche autonomen Flug- und Missionsfunktionen steuert. Die Software ermöglicht Formationsflug, automatische Routenplanung, Hindernisvermeidung und die Koordination mit bemannten Luftfahrzeugen, ohne dass Piloten jedes einzelne Flugmanöver überwachen müssen.
Mithilfe zahlreicher Sensoren, Kameras, Computervision und leistungsfähiger Bordcomputer kann Thunder Gelände, Hindernisse und Bedrohungen selbstständig erkennen, klassifizieren und verfolgen. Das System bleibt auch dann navigationsfähig, wenn GPS-Signale gestört oder Kommunikationsverbindungen eingeschränkt sind.
Darüber hinaus vernetzt Lattice sämtliche beteiligten Plattformen zu einem gemeinsamen Lagebild. Sensordaten und Informationen über Bedrohungen werden in Echtzeit zusammengeführt, wodurch sowohl die autonome Drohne als auch die bemannten Luftfahrzeuge von einer verbesserten Situationsübersicht profitieren.



