Nach einer Erprobungsphase in den Jahren 2024 und 2025 hat die französische Rüstungsbeschaffungsbehörde DGA (Direction générale de l’armement) eine erste Bestellung der VTOL-Version der Drohne U010 Aliaca aufgegeben. Damit wird ein wichtiger Schritt zur Erweiterung der Überwachungs- und Aufklärungsfähigkeiten der französischen Marine vollzogen.
„In ihrer ursprünglichen Ausführung wurde die Aliaca mithilfe eines Katapults von Schiffen gestartet und anschließend mit einem Fangnetz wieder an Bord geholt. Die französische Marine setzte das System erstmals 2019 auf einem Hochsee-Patrouillenschiff ein. Aufgrund der überzeugenden Ergebnisse wurde der Einsatz auf weitere Schiffe ausgeweitet und 2020 wurden zusätzliche Systeme bestellt“, erklärt Maxime Caille, Programmleiter der U010 Aliaca bei Airbus Helicopters.
Jedes System besteht aus zwei Drohnen sowie einer Bodenstation, die von zwei Personen bedient wird. Beide Bediener verfügen über jeweils einen robusten, für den militärischen Einsatz ausgelegten Laptop: Einer steuert den Flug, der andere bedient die Nutzlast. Grundsätzlich kann ein einzelner Bediener auch beide Aufgaben gleichzeitig übernehmen, indem er den Bildschirm aufteilt oder zwischen den Anzeigen wechselt. Start und Landung erfolgen automatisiert. Darüber hinaus lassen sich komplette Missionen im Voraus programmieren.

Ein zusätzliches Auge am Himmel für die maritime Überwachung
Ab 2022 begann die Auslieferung weiterer Systeme. Sie waren für Hochsee-Patrouillenschiffe, Überwachungsfregatten und die neuen Überseepatrouillenschiffe vorgesehen und wurden jeweils mit deren Indienststellung integriert. Auf den vergleichsweise kleinen Schiffen dient die U010 Aliaca als eine Art ferngesteuertes Fernglas. Sie ermöglicht es, weit über den Radarhorizont des Schiffes hinaus aufzuklären, ohne dafür einen Hubschrauber einsetzen zu müssen.
Ein Sprecher der französischen Marine betont: „Sowohl im französischen Mutterland als auch in den Überseegebieten ist die U010 Aliaca ein unverzichtbares Mittel zur Gewinnung von Echtzeitinformationen. Sie unterstützt maritime Sicherheits- und Überwachungsmissionen und leistet einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung von Schmuggel und illegaler Fischerei.“ Zu den wesentlichen Vorteilen zählt der geringe logistische Aufwand. Hinzu kommt die äußerst geringe Geräuschentwicklung, die unauffällige Überflüge verdächtiger Schiffe ermöglicht. Besonders hervorgehoben wird außerdem die hohe Identifizierungsleistung des Systems. Dafür sorgt ein elektrooptischer und infrarotgestützter (EO/IR) Tag-Nacht-Sensorturm mit 30-fachem optischem Zoom.
„Die von der U010 Aliaca in Echtzeit an den Gefechtsstand übertragenen Videobilder ermöglichen eine präzise Führung von Abfangbooten und erleichtern die zuverlässige Einschätzung der Gefährlichkeit eines erfassten Ziels“, ergänzen Vertreter der Marine. Darüber hinaus werden mehrere Drohnen auch von Land aus eingesetzt, beispielsweise zur Überwachung von Küstenabschnitten und zur Sicherung maritimer Zufahrtswege.
Aufgrund der positiven Erfahrungen mit der U010 Aliaca als taktischem Aufklärungssensor entstand bei der französischen Marine der Wunsch, das System auch auf noch kleineren Schiffen einzusetzen. Dafür mussten allerdings die logistischen Einschränkungen des bisherigen Start- und Bergungsverfahrens mit Katapult und Fangnetz überwunden werden. Dies gab den Anstoß zur Entwicklung einer Version mit senkrechtem Start und senkrechter Landung (VTOL – Vertical Take-Off and Landing).
„Die VTOL-Fähigkeit erweitert die Einsatzmöglichkeiten der Drohne erheblich“, bestätigen Sprecher der französischen Marine. „Die Vorbereitung eines Fluges dauert nur wenige Minuten. Außerdem kann die Drohne auch bei Seegangsbedingungen gestartet und wieder gelandet werden, bei denen eine sichere Bergung mit dem Fangnetz zuvor nicht möglich gewesen wäre.“
Neben Hochsee-Patrouillenschiffen, Überwachungsfregatten und Überseepatrouillenschiffen soll die VTOL-Version künftig auch auf deutlich kleineren Kampfschiffen und Unterstützungseinheiten zum Einsatz kommen. Darüber hinaus eröffnet sie neue Möglichkeiten für landgestützte Operationen.
„Die Integration der Fähigkeit zum senkrechten Start und zur senkrechten Landung in die bestehende Drohne ist eine beachtliche technische Leistung. Die VTOL-Variante verfügt über ein neu gestaltetes Tragwerk und einen modifizierten Rumpf, nutzt jedoch weiterhin zentrale Komponenten des ursprünglichen Systems, darunter den Autopiloten und die Datenverbindung. Die Entwicklung von Autopiloten, die Software der Bodenstation sowie die Integration von Datenverbindungen und Sensoren gehören zu unseren Kernkompetenzen. Wir beherrschen unser System vollständig und können es dadurch schnell anpassen und weiterentwickeln“, erläutert Maxime Caille.

Neue operative Einsatzmöglichkeiten
Die Erprobung der VTOL-Version wurde durch das CEPA (Centre d’Expérimentations Pratiques et de réception de l’Aéronautique navale), das Erprobungs- und Abnahmezentrum der französischen Marineflieger, durchgeführt. Als Erprobungsplattform diente ein BSAM (Bâtiment de soutien et d’assistance métropolitain), ein Unterstützungs- und Versorgungsschiff, das ursprünglich nicht für den Betrieb von Drohnen ausgelegt war.
Die Fähigkeit zum senkrechten Start und zur senkrechten Landung eröffnete dabei neue Perspektiven: Sie ermöglicht der Marine, Drohnen künftig auch von Schiffen aus einzusetzen, die ursprünglich nicht für einen solchen Betrieb vorgesehen waren. „Mit der Einführung der VTOL-Version der U010 Aliaca soll zunächst eine erste Gruppe kleinerer und ergänzender Marineeinheiten ausgestattet werden“, erklärte ein Sprecher der französischen Marine. „Der Einsatz auf BSAM-Schiffen soll Ende 2026 beginnen. Im Laufe des Jahres 2027 folgen die BSAOM (Bâtiments de soutien et d’assistance outre-mer), also die Unterstützungs- und Versorgungsschiffe für die französischen Überseegebiete.“
Der ursprüngliche Beschaffungsauftrag für die Starrflügelversion der U010 Aliaca umfasste 34 Systeme mit insgesamt 68 Drohnen. Davon wurden bereits 27 Systeme an die DGA ausgeliefert. Die Auslieferung der verbleibenden sieben Systeme sollte ursprünglich bis zum Jahresende abgeschlossen sein.
„Die DGA war von der Version mit senkrechtem Start überzeugt und hat uns deshalb aufgefordert, alle sieben noch ausstehenden Systeme direkt in der VTOL-Konfiguration auszuliefern“, berichtet Maxime Caille. Über ihre technischen und operativen Fähigkeiten hinaus trägt die U010 Aliaca dazu bei, die Nutzung unbemannter Luftfahrzeuge innerhalb der französischen Marine weiter zu etablieren. Zukünftig rückt insbesondere die Zusammenarbeit zwischen bemannten und unbemannten Luftfahrzeugen in den Mittelpunkt. Ein Beispiel hierfür ist die von Airbus Helicopters angebotene HTeaming-Lösung.
Die U010 Aliaca: Leicht, kompakt und widerstandsfähig
Die U010 Aliaca wurde speziell für den Betrieb unter anspruchsvollen maritimen Bedingungen entwickelt. Sie kombiniert eine robuste Konstruktion mit vielseitigen Einsatzmöglichkeiten und moderner Sensortechnik.
Die wichtigsten Abmessungen und Leistungsdaten im Überblick:
- Maximales Startgewicht: 25 kg
- Spannweite: 3,6 m
- Länge: 2,2 m
- Antriebsvarianten: rein elektrisch oder hybrid
Je nach Missionsprofil stehen zwei Antriebskonzepte zur Verfügung. Die vollelektrische Version erreicht eine Flugdauer von bis zu drei Stunden und eine Datenlink-Reichweite von 50 Kilometern. Die Hybridversion ermöglicht dagegen eine Flugzeit von bis zu sechs Stunden und einen operativen Einsatzradius von bis zu 100 Kilometern.
Die U010 Aliaca ist nach der SORA-Methodik (Specific Operations Risk Assessment) der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) in die Sicherheitskategorie SAIL III eingestuft. Diese Zertifizierung bestätigt die Erfüllung anspruchsvoller Sicherheitsanforderungen und ermöglicht unter anderem den Betrieb über Gebieten mit mittlerer Bevölkerungsdichte. Dadurch ergeben sich neben militärischen auch zahlreiche Einsatzmöglichkeiten im zivilen Bereich sowie im Bevölkerungsschutz.




