Der italienische Luft- und Raumfahrtkonzern Leonardo hat an seinem Standort Sesto Calende ein neues Gebäude für die Entwicklung und Fertigung von Flugsimulatoren eröffnet. Mit der Erweiterung soll der Standort zu einem zentralen Entwicklungs- und Produktionszentrum für Simulationssysteme innerhalb des Konzerns ausgebaut werden.
Die Investition knüpft an die Trainingsaktivitäten in Sesto Calende an, die bereits 2006 mit der Eröffnung der „A. Marchetti“ Training Academy begonnen haben. Seitdem hat sich der Standort zu einem wichtigen Kompetenzzentrum für Ausbildung, Simulation und technische Unterstützung im Hubschrauberbereich entwickelt.
Mehr als 6.000 Quadratmeter für Entwicklung und Produktion
Das neue Gebäude bietet auf mehr als 6.000 Quadratmetern Platz für bis zu fünf Simulatoren gleichzeitig. Engineering, Konstruktion, Entwicklung, Fertigung, Montage, Integration und Erprobung werden künftig unter einem Dach gebündelt. Damit kann Leonardo den gesamten Entwicklungs- und Produktionsprozess von Simulatoren am Standort abdecken.
Die Erweiterung folgt auf ein deutliches Wachstum des Standorts. Die Zahl der Beschäftigten stieg von rund 470 im Jahr 2022 auf mehr als 610 im Jahr 2025, ein Plus von über 30 Prozent. Im neuen Gebäude sollen unter anderem Luftfahrt- und Softwareingenieure, Entwickler, Montagetechniker, Piloten und Programmmanager zusammenarbeiten. Viele der Beschäftigten sind junge Fachkräfte mit Kompetenzen in den Bereichen Ingenieurwesen und Softwareentwicklung.
Sesto Calende verfügt bereits über langjährige Erfahrung in der Entwicklung und Fertigung von Flugsimulatoren. Zu den dort entwickelten Systemen gehören unter anderem ein Simulator für den Hubschrauber A129 Mangusta der italienischen Heeresflieger in Viterbo, ein HH139-Simulator für die italienische Luftwaffe in Cervia sowie ein NH90-Simulator für das italienische Marine-Simulationszentrum Maristaeli Luni. Darüber hinaus wurden Systeme für weitere Hubschraubertypen und Kunden weltweit entwickelt.

Neue Simulatoren für Italien und Asien
Die ersten Simulatoren, die im neuen Gebäude entstehen, sind für Betreiber in Italien und Asien vorgesehen. Leonardo will mit den erweiterten Kapazitäten künftig noch stärker eigenständig entwickeln und damit zusätzliche Märkte erschließen. Gleichzeitig sollen bestehende Industriepartnerschaften weitergeführt werden, darunter das gemeinsam mit CAE betriebene Joint Venture Rotorsim.
Die Investition stärkt damit einen wichtigen Bereich des Hubschraubergeschäfts. Zwischen 2023 und 2025 entfielen durchschnittlich rund 42 Prozent des Leonardo-Hubschrauberumsatzes auf Customer Support, Services & Training. Insgesamt werden im Rahmen der Hubschrauber-Ausbildungsaktivitäten des Konzerns inzwischen mehr als 16.000 Menschen pro Jahr geschult. Die Training Academy in Sesto Calende nutzt dafür moderne Simulationssysteme, mit denen Piloten, Besatzungen, Betreiber, Bodenpersonal und Wartungstechniker trainieren können. Neben Flugsituationen lassen sich auch Missionen sowie Wartungs- und Reparaturarbeiten realitätsnah simulieren.
Dabei kommen zunehmend digitale Technologien wie Virtual und Augmented Reality, künstliche Intelligenz und digitale Zwillinge zum Einsatz. Sie ermöglichen komplexe Szenarien über verschiedene Einsatzbereiche hinweg und erlauben es, auch anspruchsvolle Situationen ohne Risiko für Personal und Hubschrauber zu trainieren. Gleichzeitig können Simulationen dazu beitragen, Kosten zu senken, die ökologische und wirtschaftliche Nachhaltigkeit zu verbessern und die Verfügbarkeit der tatsächlichen Hubschrauber für operative Aufgaben zu erhöhen. Sesto Calende beherbergt zudem das Koordinationszentrum für die technische und logistische Unterstützung der gesamten Leonardo-Hubschrauberflotte.
Mit dem Neubau setzt Leonardo die lange Luftfahrtgeschichte des Standorts fort, die bis ins Jahr 1915 zurückreicht. Neben den erhaltenen historischen Gebäuden entstehen dort nun zusätzliche Flächen für digitale Technologien und hochentwickelte Simulation und damit ein weiterer Schritt in der technologischen Entwicklung des traditionsreichen Luftfahrtstandorts.




