StartHerstellerRobinson HelicopterR66: Neuer Trainingshubschrauber für US ARMY

R66: Neuer Trainingshubschrauber für US ARMY

Die US Army hat den Robinson R66 als Trainingshubschrauber für ihr künftiges Ausbildungsprogramm Flight School Next (FSN) ausgewählt. Der Auftrag soll an M1 Support Services (M1) vergeben werden. Im Rahmen des Programms wird der R66 für die Ausbildung angehender Piloten im Initial Entry Rotary-Wing (IERW)-Programm am Standort Fort Rucker im US-Bundesstaat Alabama eingesetzt.

Die Entscheidung folgt auf eine vierstufige Evaluierung verschiedener Lösungen aus der Industrie. Ziel der US Army ist es, ihre bestehende Hubschrauberflotte für die Pilotenausbildung zu ersetzen und die Ausbildung von Hubschrauberpiloten grundlegend zu modernisieren. Das Programm basiert auf einem sogenannten Contractor-Owned, Contractor-Operated-Modell (COCO), bei dem ein privater Auftragnehmer die Luftfahrzeuge betreibt und die Ausbildung unterstützt. M1 kombiniert dabei den in den USA gefertigten R66 mit einem umfassenden Trainings- und Simulationskonzept, das auf einen dauerhaft hohen Flugbetrieb ausgelegt ist.

„Wir fühlen uns geehrt, mit dieser wichtigen Aufgabe betraut zu werden“, erklärte George Krivo, Chairman und CEO von M1 Support Services. Das Unternehmen wolle eine vollständig integrierte Ausbildungslösung bereitstellen, die mithilfe moderner Technologien eine effizientere und praxisnähere Pilotenausbildung ermögliche.

(Symbolfoto) Eine R66 (Foto: RHC)

R66 soll kostengünstige Ausbildung ermöglichen

Für Robinson ist die Auswahl des R66 ein bedeutender Erfolg. Nach Angaben des Herstellers verfügt der Turbinenhubschrauber über den niedrigsten Anschaffungspreis und die niedrigsten direkten Betriebskosten seiner Klasse innerhalb der vergangenen zehn Jahre.

Der R66 wird vollständig in den USA entwickelt und gefertigt. Mehr als 85 Prozent seiner Komponenten entstehen laut Robinson im eigenen, integrierten Produktionsbetrieb in Torrance, Kalifornien. Die Fertigungsstruktur soll eine zuverlässige Ersatzteilversorgung und kurze Reaktionszeiten des Herstellers ermöglichen, ein wichtiger Faktor für den geplanten intensiven Flugbetrieb in Fort Rucker.

David Smith, Präsident und CEO der Robinson Helicopter Company, sieht in der Entscheidung eine Bestätigung des Konzepts: Der R66 biete eine bewährte Ausbildungsplattform, die amerikanische Fertigung mit vergleichsweise niedrigen Betriebskosten verbinde.

Einfache Technik und modernes Cockpit

Der R66 soll insbesondere dazu beitragen, die grundlegenden fliegerischen Fähigkeiten der angehenden Army-Piloten zu stärken. Als einmotoriger Turbinenhubschrauber bietet er dabei eine vergleichsweise einfache Plattform für den Einstieg in die militärische Ausbildung.

Zur Ausstattung gehören unter anderem Garmin G500H TXi und GTN750 Avionik, ein dreiachsiger Autopilot sowie eine Ausstattung für den Einsatz mit Nachtsichtgeräten (NVG). Damit sollen die Flugschüler frühzeitig mit digitalen Cockpit-Systemen vertraut gemacht werden, deren Bedienkonzepte sich auf spätere militärische Einsatzmuster übertragen lassen.

Auch für den Ausbildungsbetrieb wurde der R66 angepasst. Ein T-Bar-Steuerknüppel mit zwei unabhängig nutzbaren Griffmöglichkeiten soll die Ausbildung durch Fluglehrer erleichtern. Hinzu kommt eine integrierte Cockpitkamera, mit der Flugmanöver aufgezeichnet und anschließend detailliert zu Schulungszwecken ausgewertet werden können.

Robinson hebt zudem die Sicherheitsbilanz des Modells hervor. Der R66 wird von einer Rolls-Royce RR300-Turbine angetrieben. Nach Angaben des Herstellers hat dieser Antrieb bereits mehr als 2,5 Millionen Flugstunden absolviert, ohne dass ein Triebwerksausfall verzeichnet worden sei.

(Symbolfoto) Eine R66 bei einem Rundflug (Foto: Robinson Helicopter)

M1 bringt Trainings- und Simulationsexpertise ein

Der R66 ist jedoch nur ein Teil des von M1 angebotenen Gesamtkonzepts. Unter der Bezeichnung Flight School First hat das Unternehmen ein integriertes Ausbildungs- und Simulationssystem entwickelt.

Dazu gehören unter anderem KI-gestützte adaptive Lernumgebungen, moderne Flugsimulatoren, virtuelle Trainingslösungen und eine kompetenzbasierte Ausbildung. Ziel ist es, die klassische Flugausbildung mit digitalen Lern- und Simulationsmethoden zu verbinden.

Nach Einschätzung von Robinson ergänzt M1s Erfahrung im Betrieb großer Ausbildungssysteme die Eigenschaften des R66. Die Kombination soll der US Army ermöglichen, die neue Ausbildung möglichst schnell aufzunehmen und gleichzeitig die Gesamtkosten zu reduzieren.

Bedeutender Schritt für Robinson Helicopter

Die Auswahl des R66 könnte für Robinson weit über die Pilotenausbildung der US Army hinaus Bedeutung haben. Der Hersteller will seine Aktivitäten als Lieferant für US-Behörden sowie für militärische und staatliche Kunden in befreundeten Ländern deutlich ausbauen. Robinson erwartet zusätzliche Impulse für die heimische Luft- und Raumfahrtindustrie sowie für die Bereiche Ersatzteilversorgung, Wartung und Ausbildung.

Parallel dazu baut das Unternehmen sein Engagement im unbemannten Bereich aus. Im März 2026 startete Robinson die neue Geschäftseinheit Robinson Unmanned, die sich auf ferngesteuerte und autonome Luftfahrzeuge konzentriert. Zum Portfolio gehören sowohl kleinere unbemannte Systeme als auch größere Plattformen auf Basis der bewährten R44- und R66-Zellen.

Damit verfolgt Robinson künftig eine Doppelstrategie: Während der R66 mit Flight School Next in der bemannten Pilotenausbildung zum Einsatz kommen soll, entwickelt Robinson Unmanned Lösungen für unbemannte Anwendungen.

Die Auswahl des R66 durch die US Army markiert damit einen wichtigen Schritt für Robinson auf dem Weg vom klassischen Hersteller ziviler Hubschrauber zu einem Anbieter, der sowohl bemannte als auch unbemannte Drehflüglerlösungen für staatliche und militärische Kunden bereitstellen will.

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