Der Hochgeschwindigkeits-Demonstrator Airbus Racer hat seine Flugerprobung weiter ausgebaut. Mit inzwischen über 50 absolvierten Flugstunden wurden neue Meilensteine erreicht, von steilen Hanglandungen bis hin zu Hochlast-Manövern.
Gefördert durch das europäische Programm Clean Sky 2 wurde der Racer entwickelt, um eine zentrale Frage zu beantworten: Kann ein Hubschrauber hohe Geschwindigkeit mit besserer Treibstoffeffizienz verbinden? Bereits jetzt zeigt der Demonstrator, dass er eine Reisegeschwindigkeit von 440 km/h erreichen kann, bei gleichzeitig rund 25 % geringerem Treibstoffverbrauch als konventionelle Hubschrauber. Zudem bestätigt das Konzept die Vorteile der sogenannten Compound-Bauweise, die ein optimales Verhältnis zwischen Geschwindigkeit, Kosten und Einsatzleistung bietet.
Im Rahmen der jüngsten Testkampagne wurde die Leistungsfähigkeit unter realistischen und komplexen Bedingungen weiter ausgelotet. Im Folgenden die wichtigsten Ergebnisse im Überblick.

Neue Maßstäbe bei Hanglandungen
Landungen auf unebenem Gelände zählen traditionell zu den anspruchsvollsten Manövern für Hubschrauberpiloten. Der Racer könnte diese Technik grundlegend verändern.
In aktuellen Tests gelang eine Landung bei einer Neigung von 14 Grad. Während herkömmliche Hubschrauber aufwendige Anpassungen an die Hanglage erfordern, nutzt der Racer seine besondere Bauweise: Der Hauptrotor bleibt waagerecht, während seitliche Propeller das Fluggerät präzise ausrichten. So kann parallel zur Hangfläche gelandet werden. Das eröffnet neue Einsatzmöglichkeiten, da auch bislang schwer zugängliche oder ungeeignete Landeplätze nutzbar werden.
Hohe Steigleistung
Neben der Geschwindigkeit spielt auch die vertikale Leistungsfähigkeit eine entscheidende Rolle. Der Racer erreichte kürzlich eine Höhe von 10.000 Fuß in nur 2 Minuten und 44 Sekunden.
Bei einer Geschwindigkeit von 260 km/h entspricht das einer Steigrate von etwa 3.600 Fuß pro Minute, rund doppelt so schnell wie bei klassischen Hubschraubern. Bemerkenswert ist, dass dieser Wert im regulären Einsatzkonfigurationszustand erzielt wurde.
Gerade für militärische Anwendungen ist diese Fähigkeit entscheidend, um Gefahrenzonen schnell zu verlassen und Bedrohungen zu entkommen.

Wendigkeit bei hohen Geschwindigkeiten
Hohe Geschwindigkeit geht oft zulasten der Manövrierfähigkeit, nicht jedoch beim Racer. Der Demonstrator absolvierte Kurven mit einer Belastung von 2g bei 370 km/h.
Der Schlüssel liegt erneut in der innovativen Konstruktion: Bei hohen Geschwindigkeiten übernehmen Tragflächen einen Großteil des Auftriebs. Dadurch können Hauptrotor und seitliche Propeller stärker für die Steuerung eingesetzt werden.
Ein weiterer Vorteil: Der Racer kann beschleunigen und abbremsen, ohne die Fluglage zu verändern. Im Gegensatz zu herkömmlichen Hubschraubern bleibt er dabei stabil in der Horizontalen, ein großer Vorteil für präzise Einsätze.
Vertrauen aus dem militärischen Bereich
Im Rahmen der ersten Phase des ENGRT-Programms hatten Militärpiloten aus Frankreich, Deutschland und Finnland die Möglichkeit, den Demonstrator selbst zu fliegen.
Dass externe Piloten ein experimentelles Fluggerät steuern dürfen, ist äußerst selten und setzt ein hohes Maß an Reife und Stabilität voraus. Dieses Vertrauen unterstreicht die technische Zuverlässigkeit des Racers und reduziert Risiken für zukünftige militärische Programme.

Ausblick: Eco-Mode und Lärmreduktion
Die Entwicklung ist noch nicht abgeschlossen. Aktuell bereitet das Team zwei wichtige Umweltinnovationen vor: den sogenannten Eco-Mode und optimierte lärmarme Flugprofile.
Der Eco-Mode soll es ermöglichen, im Reiseflug eines der beiden Triebwerke in den Stand-by-Modus zu versetzen. Dadurch könnte der Treibstoffverbrauch um weitere 15 % gesenkt werden, bei einer Geschwindigkeit von etwa 330 km/h. Bei Bedarf lässt sich die volle Leistung innerhalb weniger Sekunden wieder herstellen.
Zusätzlich wird an der Reduzierung der Geräuschentwicklung gearbeitet. Ziel ist es, den Lärm am Boden um mindestens 30 % zu verringern. Die besondere Bauweise des Racers erlaubt es, Fluglage und Geschwindigkeit unabhängig voneinander zu steuern. Dadurch können Flugbahnen optimiert werden, die gezielt auf minimale Geräuschentwicklung ausgelegt sind.



