Der berüchtigte Vogelschlag ist in der Drehflügel-Luftfahrt ein besonderes Thema. Anders als Airliner befinden sich Hubschrauber häufiger und länger in Flughöhen, in denen auch Vögel anzutreffen sind. Eine Beschädigung des Hauptrotors nach eine Kollision ist der eine Aspekt – ein handlungsunfähiger Pilot ist ebenfalls Ernst zu nehmen.
Die Widerstandsfähigkeit einer Hubschrauber-Cockpitscheibe war schon vor einigen Jahren Thema beim Rotorcraft Symposium der EASA. Eine Vielzahl von Zwischenfällen auf der ganzen Welt führten am Ende zu der Idee, auch kleine Hubschrauberklassen mit einer bruchsicheren Frontscheibe auszustatten, wie es beispielsweise bei den großen CS29-Mustern Vorschrift ist.
Stabile Scheiben sind zu schwer
Schaut man sich die vielen Statistiken einmal genauer an, dann kommt man zu dem Ergebnis, dass weniger als ein Prozent aller Vogelschläge, die in der Luftfahrt vorkommen, tatsächlich Hubschrauber treffen. Und unter diesen wenigen Vorkommnissen gibt es nur 14 Prozent, bei denen der Unfall tödlich ausgeht.
Der Grund für diese geringe Anzahl liegt in der Tatsache begründet, dass Hubschrauber viel langsamer fliegen als Airliner-Flugzeuge. Auf der anderen Seite fliegen Hubschrauber nicht nur bei Start und Landung oftmals in direkter Nähe zum Boden, wo es deshalb auch viel häufiger zur direkten Begegnung mit Vögeln kommen kann. Obwohl die US-amerikanische Luftfahrtbehörde FAA bereits im Jahr 1996 Vorschriften für bruchsichere Frontscheiben für Hubschrauber herausgegeben hat, gibt es bis heute nur eine ganz kleine Zahl an Hubschraubern abseits der CS29-Klasse, die tatsächlich heute mit so einer verstärkten Windschutzscheibe ausgestattet sind. Aus Gründen der Gewichtsreduzierung drängt es viele Betreiber eher in die entgegengesetzte Richtung: Dünnere Scheiben aus besonders leichtem Material werden vorne verbaut.

Robinson startete die Eigenentwicklung
In Kalifornien hat der Hersteller Robinson nun umgedacht und bietet für seine R22, R44 und R66-Hubschrauber besonders durchschlagsichere Frontscheiben. Da es für die Helikoptertypen am unteren Ende der MTOW-Skala keine Zulassungsvorschriften gab, hat Robinson sich die Mühe gemacht und einen eigenen Standard für eine verstärkte Frontscheibe entwickelt, der auf der oben genannten FAA-Vorlage von 1996 basiert.
Die Scheibe ist dabei so stabil, dass sie auch einer Punktbelastung wie bei einem Hammerschlag (siehe oben) nicht kaputt geht. Die neue Frontscheibenlösung ist aus robustem und energieabsorbierendem Polycarbonat konstruiert und wird von einem stabilen Rahmen gehalten. Eine besondere Beschichtung soll darüberhinaus Kratzer und Abnutzung durch Verwitterung verhindern.
Dieser Artikel ist in voller Länge in der Ausgabe 3/2020 von ROTORBLATT – Deutschlands führendem Helikopter-Magazin zu lesen.
http://www.rotorblatt.de



