Fünf Rettungshunde, ein Hubschrauber und eine besondere Trainingseinheit: Auf dem Flugplatz von Airbus Helicopters in Donauwörth lernen die Vierbeiner des Bayerischen Roten Kreuzes, mit einem der wichtigsten Einsatzmittel bei der Suche nach Vermissten umzugehen.
Die Anspannung ist den Hunden anzumerken. Miko, Odin, Bella, Mia und Hugo schnuppern aufgeregt ihre ungewohnte Umgebung ab. Ihre Besitzer tragen die Einsatzkleidung, die sie auch bei echten Suchaktionen tragen. Zum ersten Mal werden die Hunde einen Hubschrauber aus der Nähe sehen, hören und riechen.
Auf der Suche nach Vermissten
Die fünf Tiere gehören zur Rettungshundestaffel des Kreisverbands Nordschwaben des Bayerischen Roten Kreuzes. Als sogenannte Flächensuchhunde werden sie eingesetzt, um große Gebiete nach vermissten Menschen abzusuchen.
„Das können beispielsweise Menschen mit Demenz, Kinder, suizidgefährdete Personen oder Menschen in einer hilflosen Lage sein“, erklärt Sina Raab, Leiterin der Staffel. Allein im vergangenen Jahr rückten die Teams zu 55 Vermisstensuchen aus. Alarmiert werden sie rund um die Uhr über die Polizei und die Integrierte Leitstelle.
Ein Einsatzteam besteht aus mindestens einem Hundeführer, einem Hund und einem Helfer. Gemeinsam können sie Flächen von rund 45.000 Quadratmetern absuchen. Die Arbeit ist ehrenamtlich. Die Hunde leben bei ihren Hundeführern und werden bereits im Welpenalter auf ihre spätere Aufgabe vorbereitet. Die Ausbildung dauert etwa zwei bis drei Jahre. Zunächst geht es um die Sozialisierung mit Menschen und anderen Hunden. Danach lernen die Tiere spielerisch, Personen in unterschiedlichen Umgebungen aufzuspüren. Schritt für Schritt werden dabei auch das Arbeiten auf Distanz und unter Ablenkung trainiert.
Für die ehrenamtlichen Helfer ist das eine große zusätzliche Belastung. „Unsere Mitglieder machen diese Arbeit neben ihrem Beruf und ihrem Familienleben“, sagt Raab. Zusätzlich besucht die Staffel Kindergärten, Seniorenheime und öffentliche Veranstaltungen, um über ihre Arbeit zu informieren und Spenden zu sammeln.

Ein Hubschrauber gehört zum Einsatzalltag
Bei vielen Suchaktionen sind Hubschrauber in der Luft. Für die Hunde bedeutet das: Sie müssen lernen, sich von Rotorenlärm, Vibrationen und dem starken Luftstrom nicht ablenken zu lassen. Deshalb führt der Weg der Rettungshundestaffel nach Donauwörth, zum deutschen Standort von Airbus Helicopters. Dort wartet eine H145 auf die Trainingsteilnehmer. Der Hubschrauber wird weltweit von Rettungsdiensten, Polizeibehörden und Streitkräften eingesetzt.
Beim ersten Durchgang blieb die Maschine ausgeschaltet. Die Teams nähern sich mit angeleinten Hunden, gehen um den Hubschrauber herum und betreten anschließend die Kabine. Die Tiere bleiben ruhig. Dann wird es anspruchsvoller: Der Rotor der H145 beginnt sich zu drehen. Die Hunde werden einzeln mit ihren Teams an die Maschine herangeführt. Je näher sie kommen, desto stärker wirken Vibrationen und Rotorabwind. Einige der Tiere ducken sich und zeigen deutlich, dass ihnen die Situation nicht geheuer ist.
Jetzt sind die Hundeführer gefragt. Ruhige Worte, Lob und im richtigen Moment ein Leckerli helfen dabei, die Angst zu überwinden. Die Helfer steigen zunächst in die Kabine, anschließend werden die Hunde von ihren Hundeführern hineingetragen. Vier der fünf Hunde schaffen die Übung. Einer kann seine Scheu vor dem laufenden Hubschrauber noch nicht überwinden. Für die Flächensuchhunde ist das allerdings kein Problem: Sie werden normalerweise nicht mit dem Hubschrauber transportiert, sondern suchen Gebiete ab, die auch mit dem Auto erreichbar sind.
Entscheidend ist vielmehr, dass die Tiere bei einem Hubschraubereinsatz nicht irritiert werden und ihre eigentliche Aufgabe zuverlässig erfüllen können.

Andere Regeln für Trümmersuchhunde
Anders sieht es bei Trümmersuchhunden aus. Sie werden eingesetzt, um Menschen aufzuspüren, die beispielsweise nach Erdbeben unter Gebäudetrümmern verschüttet sind. Da solche Einsatzorte häufig nicht mit Fahrzeugen erreichbar sind, werden die Hunde oft per Hubschrauber eingeflogen.
Für diese Hunde ist die Flugtauglichkeit deshalb eine wichtige Voraussetzung. Ein Tier, das Angst vor Hubschraubern hat, wäre für solche Einsätze nur bedingt geeignet. Auch Jan Siewert beobachtet die Trainingseinheit. Er arbeitet bei Airbus Helicopters in Donauwörth und engagiert sich gleichzeitig ehrenamtlich als Helfer in der Rettungshundestaffel des Bayerischen Roten Kreuzes.
Für ihn passen Hunde und Hubschrauber besonders gut zusammen: Beide sind unermüdliche Helfer, wenn Menschen vermisst werden. Das Training in Donauwörth sorgt dafür, dass Mensch, Hund und Technik auch unter schwierigen Bedingungen als Team funktionieren.



