Dienstag, April 28, 2026
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Das neue Hauptquartier von Safran Helicopter Engines Germany

Mit einer feierlichen Zeremonie wurde am 22. April 2026 das neue Hauptquartier des Turbinenherstellers Safran Helicopter Engines in Norderstedt bei Hamburg eröffnet. Der Umzug wurde notwendig, da der alte Standort keine Erweiterungsmöglichkeiten mehr bot. In Anwesenheit des Marinefliegerkommandeurs des Bundeswehrstandortes Nordholz Broder Nielsen wurde das notwendige und künftig noch engere Verhältnis der Bundeswehr zur Herstellerindustrie hervorgehoben.

Zu den Anfängen der industriellen Flugzeugantriebe gibt es viele Geschichten – die der Hubschrauberturbinen begann maßgeblich im Jahr 1959. Deutschland gehörte zu den ersten Ländern, die die Alouette II mit einem Astazou-II-Triebwerk von Turbomeca, heute Safran Helicopter Engines, einführten. Innerhalb des folgenden Jahrzehnts wuchs die Zahl ausgelieferter Hubschrauber dieses Typs für den damaligen Bundesgrenzschutz und das Heer auf 300 Stück. Diese enge Partnerschaft aus Betreiber und Turbinenhersteller ging so weit, dass 1991 eine Niederlassung in Hamburg gegründet wurde: hier gab es von Anfang an Depot-Maintenance in direkter Kundennähe.

Es blieb aber nicht bei der Maintenance – weitere Services kamen hinzu, um mit lokalen, direkten und reaktionsschnellen Dienstleistungen in Schlüsselmärkten zu unterstützen. Die Tochtergesellschaft erarbeitete sich einen beispiellosen Ruf und internationale Anerkennung. Im Jahr 2013 kaufte Turbomeca damals die Partneranteile von Rolls-Royce am RTM332-Triebwerk. Heute treibt diese gigantische Engine unter anderem den NH90 und auch den AW101 „Merlin“ von Leonardo an.

Früher: Turbinenwartung im Büro

Eigentlich ist es kaum zu glauben gewesen, aber tatsächlich wurden jahrzehntelang Turbinen bei Safran (früher Turbomeca) in Hamburg in einem herkömmlichen Bürokomplex gewartet und repariert. Auf engstem Raum mussten Module getauscht und Verdichterstufen geprüft werden. In den Gängen stapelten sich Kisten – entweder gerade angekommen oder kurz vor der Abholung und Auslieferung an die Kunden.

Ab jetzt: Doppelt so viel Platz

Mit dem neuen Gebäude haben sich die Platzverhältnisse verdoppelt. Ein eigener Bereich für die Wartung: 350 Quadratmeter. Und gleich nebenan das Hochregallager mit bis zu 40.000 Ersatzteilen: „95 Prozent aller Kleinteile, die im normalen Turbinenleben getauscht werden müssen, haben wir hier vor Ort“, erklärt der Leiter des Logistikbereiches. Ein besonderes Thema ist die konservierte Lagerung von Triebwerken für die europäischen Streitkräfte, insbesondere die Bundeswehr. In speziellen Behältern mit Überdruck und einer maximal zulässigen Feuchtigkeit lagern die Millionen Euro teuren Sachwerte. In regelmäßigen Abständen müssen die Kisten kontrolliert werden: „Weil die Regale so hoch sind, befestigen wir eine GoPro am Gabelstapler und fahren für die Kontrollen bis unter die Decke. Damit haben wir die Kontrolle und auch die Dokumentation in einem Arbeitsgang erledigt“, war zu erfahren.

Das neue Hauptquartier von Safran Helicopter Engines Germany am Stadtrand von Hamburg (Foto: Jens Rosenow)

Wartung mit Automation

Die MRO findet in dem neuen Gebäude bis Level 3 (Depot Maintenance) statt – das bedeutet: ein Triebwerk wird zerlegt und wird bis auf Bauteilebene geprüft und auch repariert. Es ist die letzte Stufe vor der Herstellerwartung (Level 4), die ausschließlich bei Safran in Frankreich durchgeführt wird.

Für die anspruchsvollen Arbeitsschritte kommt im neuen Hauptquartier, dessen Baukosten mit 15 Millionen Euro angegeben wurde, auch ein Roboter zum Einsatz, der triebwerksspezifische Kameraprüfungen vollautomatisch ausführt und die Fotos für die Dokumentation eigenständig erstellt.

Ein Safran-Techniker an einer Hubschrauberturbine. (Foto: Jens Rosenow)
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