Der italienische Rüstungskonzern Leonardo teilte mit, dass die Zukunft des letzten britischen Hubschrauberwerks im südenglischen Yeovil (Somerset) auf dem Spiel steht, falls das Unternehmen keinen Milliardenauftrag der Regierung erhält.
Einziger Bewerber für 1-Milliarde-Pfund-Auftrag
Leonardos Modell AW149 ist der einzige verbliebene Kandidat für einen rund 1 Milliarde Pfund schweren Auftrag zur Herstellung mittelgroßer Hubschrauber für die Royal Air Force. Diese sollen die alternden Puma-Transporthubschrauber ersetzen, die seit Jahrzehnten weltweit im Einsatz sind.
Der Konzern reichte bereits im Frühjahr sein finales Angebot beim britischen Verteidigungsministerium (MoD) ein, wartet jedoch weiterhin auf eine Entscheidung.
„Wir können Yeovil nicht ewig subventionieren“
Leonardo-Chef Roberto Cingolani betonte auf einer Investorenkonferenz, dass das Unternehmen nicht dauerhaft den Standort Yeovil aufrechterhalten könne, wenn aus London keine Aufträge kämen. „Seit 14 Jahren erhalten wir keine Verträge mehr von der britischen Regierung“, sagte Cingolani. „Wenn es keinen Auftrag gibt, müssen wir uns fragen, warum wir das Werk dort weiterbetreiben.“

Bedeutung für die Region und Industrie
Eine mögliche Schließung des Werks hätte erhebliche wirtschaftliche Folgen: Leonardo beschäftigt in Yeovil rund 3.300 Mitarbeitende und sichert zusätzlich mehrere tausend Arbeitsplätze in der Zulieferkette.
Das Unternehmen ist zudem an der Entwicklung des neuen Kampfjets im Rahmen des internationalen Global Combat Air Programme beteiligt, ein weiterer Hinweis auf die strategische Bedeutung des Konzerns für die britische Verteidigungsindustrie.
Unsicherheit durch fehlende Beschaffungsentscheidungen
Die Warnung Leonardos fällt in eine Phase zunehmender Frustration in der Rüstungsbranche über die schleppende Vergabe von Aufträgen durch die britische Regierung. Mehrere Branchenvertreter äußerten, dass die politischen Versprechen, etwa die geplante Erhöhung der Verteidigungsausgaben auf 2,6 % des BIP bis 2027 und 3,5 % bis 2035, bislang kaum in konkrete Projekte umgesetzt worden seien.




