Seit 1. Januar 2026 bedient die DRF Luftrettung die Berliner Notfallrettung aus der Luft als alleiniger Konzessionär. Die letzte Ausschreibung für den als Europas meistalarmierten Rettungshubschrauber bekannt gewordenen „Christoph 31“ endete vor fünf Jahren in einem Vergleich vor Gericht, wonach sich die beiden Bieter ADAC Luftrettung und DRF Luftrettung den 8-Jahreszeitraum 2022 – 2030 für den Betrieb des Hubschraubers in der deutschen Hauptstadt zu teilen hatten. Am 31.12.2025 endete daraufhin die Beauftragung des ADAC in Berlin planmäßig. Die DRF Luftrettung betreibt nun drei eigene Rettungshubschrauber in der Hauptstadt.
Niemals geht man so ganz
Der gelbe „Christoph 31“-Rettungshubschrauber war in der Berliner Hauptstadt eine Institution. Mit Beginn am 13. Oktober 1987 noch von US-amerikanischen Ex-Vietnam-Piloten geflogen, gab es seither keinen Platz und keine Kreuzung in der Hauptstadt, wo nicht eine gelbe Bo105 und später EC135 / H135 elegant reinlanden konnte. Die Piloten-Generationen wechselten, der Grundauftrag blieb: das Berliner Bodenrettungsnetzwerk aus der Luft ergänzen. Über die Jahrzehnte wuchsen enge Bekanntschaften und Kooperationen zwischen den einzelnen Rettungsparteien – und auch der Polizei, die jede Landung im Stadtgebiet mit zusätzlichem Personal absichert. Ein Gerichtsvergleich vor fünf Jahren führte nun zum planmäßigen Farbenwechsel: aus gelb (ADAC) wurde rot-weiß (DRF). Während die Stamm-Crew des gelben 31ers auf andere ADAC-Stationen verteilt wurde, repräsentative Aufgaben übernimmt oder auch zum neuen Stationsbetreiber DRF Luftrettung wechselt, arbeiten im Hintergrund bereits strategische Rädchen, die einen Wiedereinstieg der ADAC Luftrettung im Berliner Luftraum ab 2030 möglich machen sollen. Doch ausgemacht ist das noch lange nicht.

Berlin wird zum schwierigen Marktumfeld
Ein Selbstläufer ist das Gewinnen und Betreiben einer Luftrettungsstation heute bei Weitem nicht mehr – für Berlin gilt das erst recht. Die Europäische Luftfahrt-Regulierung bewirkt, dass jede Luftrettungsorganisation heute mit demselben Wasser kocht – wobei dieses Wasser (gemeint sind die Hubschrauber, deren vorgeschriebene Ausstattung und das Personal) im teurer wird. Mit der dritten Luftrettungsstation im Süden Berlins hat die DRF Luftrettung nun ein Monopol in der Hauptstadt, muss nun allerdings damit umgehen, dass sich die (zuletzt rückläufigen) Einsatzzahlen der gesamten Metropolregion auf drei eigene Hubschrauber mit jeweils hohen permanenten Betriebskosten verteilen. Sollten sich die Einsatzzahlen nicht positiv verändern und für die Betriebskosten von 2 Hubschrauber H145 (Christoph 100 im Berliner Norden und Christoph Berlin im Osten der Stadt) und einer H135 (als neuer Christoph 31 im Berliner Süden) nicht zumindest ein Deckungsbeitrag in Sicht sein, droht ein jahrelanges Verlustgeschäft. Diese Drohkulisse könnte im schlechtestes Fall sogar dafür sorgen, dass sich für den neuen Ausschreibungszeitraum ab 2030 gar kein Bieter mehr für die Station von Christoph 31 findet, die dann neu zur Ausschreibung ansteht. Kritiker halten das für die vorhergesehenen Spätfolgen einer wenig durchdachten Rettungsdienst- und Ausschreibungsstrategie der Berliner Feuerwehr im Auftrag des Senats.
Nach der Ausschreibung ist vor den Kassenverhandlungen
Ungeachtet der Einsatzzahlen ist vor allem maßgeblich, welche Abrechnungsmodalitäten es einem Luftrettungsbetreiber gelingt, mit den Krankenkassen auszuhandeln. Die Station von Christoph 100 im Berliner Norden wurde zwar durch Ausschreibung gewonnen, doch abrechnen konnte die DRF Luftrettung nach eigenen Angaben die Einsätze seit 2. Januar 2024 nicht. Die Krankenkassen sind dem Vernehmen nach bis heute nicht davon überzeugt, dass Berlin drei Rettungshubschrauber braucht (ITH, 24 Stunden RTH und Tagesbetrieb-RTH ohne Randzeitenfreighabe). Die Lücke zwischen einer gewonnenen Ausschreibung und einer nicht zahlungswilligen Krankenkasse wird damit zu einem enormen Risikofaktor für einen Luftrettungsbetreiber.

Das Kuriosum ist: Berlin als Hauptstadt fordert zwar per Ausschreibung drei Rettungshubschrauber, muss davon aber keinen selbst bezahlen und überlässt die Finanzierung den Krankenkassen. Mit einer steigenden Anzahl von eigenen Notarztfahrzeugen bietet Berlin die eigene bodengebundene Rettung noch dazu viel günstiger an und entscheidet über die eigene Leitstelle der Feuerwehr sogar noch selbst, ob und wie oft ein Rettungshubschrauber überhaupt abheben soll. Verständlich, wenn Berlin auf diese Weise aus den Prio-Listen der Luftrettungsbetreiber verschwindet.
Hintergrundartikel zum Christoph 31 in Berlin:
https://rotorbild.com/europas-fleissigster-rettungshubschrauber-30-jahre-christoph31-in-berlin/



